Kann ein kommunaler Bauhof zu einem kommunalen bzw. regionalen Energieknoten werden?

Kann ein kommunaler Bauhof zu einem kommunalen bzw. regionalen Energieknoten werden? Genau mit dieser Frage haben wir uns im Forschungsprojekt Storebility2Market gemeinsam mit dem Bauhof Neulengbach und der Energiegenossenschaft Elsbeere Wienerwald beschäftigt und untersucht, welchen Beitrag intelligent gesteuert Elektrofahrzeuge in ländlichen Regionen leisten können.

Genau mit dieser Frage haben wir uns im Forschungsprojekt Storebility2Market gemeinsam mit dem Bauhof Neulengbach und der Energiegenossenschaft Elsbeere Wienerwald beschäftigt und untersucht, welchen Beitrag intelligent gesteuert Elektrofahrzeuge in ländlichen Regionen leisten können.

Dabei haben wir unter anderem folgende Herausforderungen aufgegriffen:

  • Immer mehr PV-Anlagen dürfen nicht mehr mit voller Leistung ins Stromnetz einspeisen. Überschüssige Energie muss abgeregelt werden und kann somit nicht weiter genutzt werden.
  • Stationäre Stromspeicher sind im Sommer in der Regel immer gut gefüllt und meist bereits am Vormittag vollständig geladen. Für PV-Überschüsse um die Mittagszeit ist somit kein Platz.
  • Viele Energiegemeinschaften versorgen sich ausschließlich mit PV-Energie, was im Sommer dazu führt, dass an sonnigen Tagen meist deutlich zu viel Energie zur Verfügung steht, während nur wenige Stunden später – wenn die Sonne untergeht – der komplette Verbrauch vom Energieversorger abgedeckt werden muss.

Um dafür Lösungen zu finden, bietet der Bauhof Neulengbach ideale Voraussetzungen: Fast 250 kWp PV am Dach erzeugen jedes Jahr ein Vielfaches des eigenen Strombedarfs. Dank des vorhandenen stationären Stromspeichers mit 72 kWh können mehrere nicht-sonnige Tage problemlos überbrückt werden. Scheint jedoch die Sonne ist der Speicher bereits um 10:00 vollständig geladen, da gerade in der Nacht so gut wie kein Verbrauch vorhanden ist um den Stromspeicher auch nur ansatzweise zu entladen. Ähnlich verhält es sich mit den kommunalen Elektrofahrzeugen am Bauhof, die zwar nicht immer, aber doch häufig auch untertags vor Ort sind: Geringe Kilometerleistungen führen nur zu einer geringen Entladung der Batterie, wodurch PV-Überschussladen nur mäßiges Potenzial bietet.

Doch wie kann man das ändern? Wir haben dazu folgenden Ansatz gewählt:

  • An sonnigen Tagen wird der Batteriespeicher in den Nachtstunden in die EEG Elsbeere Wienerwald entladen. Damit kann sich die EEG auch in der Nacht zumindest teilweise selber versorgen.
  • Im Gegenzug ist der Batteriespeicher am Morgen fast vollständig entladen und kann überschüssige PV-Energie speichern. Der Ladevorgang beginnt an sonnigen Tagen jedoch erst am späten Vormittig – einerseits um die ersten PV-Überschüsse in den Morgenstunden der EEG zur Verfügung zu stellen, andererseits um Erzeugungsspitzen um die Mittagszeit zu speichern, anstatt diese abzuregeln.
  • Das Elektroauto wird dabei als Unterstützung bzw. Backup für den stationären Stromspeicher verwendet. So unterstützt es den stationären Stromspeicher bei der Reduktion von Erzeugungsspitzen. Darüber hinaus wird es bei Bedarf dazu genutzt um den stationären Stromspeicher nachzuladen.

Dass dieser Ansatz sowohl theoretisch als auch in der Praxis tatsächlich funktioniert, zeigen unsere Ergebnisse, denn sowohl in der Simulation als auch in der Praxis wird deutlich sichtbar, welche Vorteile diese Form der Bewirtschaftung bringt.

Was bedeutet das konkret? Durch eine intelligente, prognosebasierte Bewirtschaftung der Elektrofahrzeuge kann die aufgrund einer Einspeisebegrenzung abgeregelte PV-Energie von 13,3 MWh auf rund 5,2 MWh pro Jahr reduziert werden – eine Verringerung um rund 61 %. Und auch die EEG profitiert deutlich – mehr als 10 MWh regionaler Erzeugung stehen in den Nachtstunden zur Verfügung um einen Teil des Verbrauchs zu decken.

Besonders spannend dabei – bereits ein einziges Elektrofahrzeug, das zur richtigen Zeit verfügbar ist und intelligent gesteuert wird, erzielt einen Großteil dieses Effekts. Es braucht also nicht möglichst viele oder möglichst große Batterien – entscheidend ist der intelligente Einsatz!

Der Bauhof Neulengbach zeigt damit eindrucksvoll, welches Potenzial in kommunalen Standorten steckt. Sie können künftig nicht nur Energie verbrauchen, sondern aktiv dazu beitragen, erneuerbare Energie besser zu nutzen und das Stromnetz zu entlasten.

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